BLOG BEITRÄGE

Rückenschmerzen sind oft vermeidbar. Wir zeigen dir wie!

Rückenschmerzen

Wer hat Rückenschmerzen und was ist die Hauptursache?

Fast 70% aller Menschen leiden in Ihrem Leben einmal unter Rückenschmerzen. Rückenschmerzen können sehr viele Ursachen haben. Ist die Ursache nicht auffindbar so spricht man von unspezifischen Rückenschmerzen. Diese Form von Beschwerden tritt am häufigsten auf. Fast 80% der Ursachen für Rückenschmerzen sind unspezifisch.

Was könnte die Ursache für unspezifische Rückenschmerzen sein?

Bei unspezifischen Rückenschmerzen gehen die Schmerzen nach heutigem Stand vom aktiven Bewegungsapparat des Rückens aus. Das ist also die Muskulatur welche die Rückenschmerzen verursacht.. Es ist also am knöchernen Anteilen keine Veränderung festzustellen.

Länge der Muskulatur

Schön länger ist bekannt, dass sich die Muskulatur nicht nur im Querschnitt, sondern auch in der Länge anpassen kann. Ein länge Veränderung der Muskeln welche ihren Ansatzpunkt an der Wirbelsäule, am Brustkorb oder am Becken haben, beeinflussen die Statik der Wirbelsäule. Nehmen wir als Beispiel den Hüftbeuger. Wie auf dem folgenden Bild ersichtlich hat der grosse Lendenmuskel (Musculus psoas major) den Ansatz an den letzten 4 Lendenwirbeln. Ist nun dieser Muskel zu kurz (zum Beispiel durch häufiger Sitzen) so besteht also zwangsläufig ein Zug an der Wirbelsäule im Stand. Die Länge der Muskulatur hat also eine zentralen Einfluss auf die Wirbelsäule und somit auf den Rücken.

Hüftbeuger

Der Einfluss des Beckens auf die Wirbelsäule

Die Basis bzw. das Fundament der Wirbelsäule stellt das Becken dar. Die Beckenstellung hat einen grossen Einfluss auf die Statik der Wirbelsäule. Jeder Veränderung dieser Statik muss durch einzelne Muskelgruppen ausgeglichen werden. Um die Relevanz der Beckenstellung auf die Statik der Wirbelsäule zu  verdeutlichen, reicht es aus, sich ein mehrstöckiges Gebäude vorzustellen. Sollte das Fundament des Gebäudes schräg sein, wäre das gesamte Gebäude schräg.So kommt es z.B. durch eine ventral-Kippung des Beckens (Becken kippt zur Vorderseite des Körpers) automatisch zu einer Verstärkung der Lendenwirbelsäuelen-Lordose (Krümmung der Wirbelsäule nach vorne). Im Gegenzug erreichen wir durch die Aufrichtung bzw. einer Kippung des Beckens nach dorsal (Becken kippt zur Rückseite des Körpers), eine Entlordosierung (Abflachung) der Wirbelsäule. Die Form der Lendenwirbelsäule lässt sich also durch die Stellung des Beckens beeinflussen. Eine Veränderung der Beckenstellung kann durch mehrere Muskeln ausgelöst werden (u.a. Rectus Femoris).

Ein Abkippen des Beckens nach vorne, meist bedingt durch eine verringerten Spannung der Bauchmuskulatur und oder Verkürzungen der Hüftbeuger, resultieren in einer (andauernden) Verstärkung der physiologischen LWS-Krümmung – umgangssprachlich „Hohlkreuz“.

Die Länge der Muskulatur lässt sich durch Krafttraining über den maximalen Bewegungsradius trainieren. Da nicht alle Muskelgruppen über das komplett mögliche Bewegungsausmass trainiert werden können, wäre auch ein Fle.xx Training vorteilhaft. Diese Übungen sind gezielt für die Länge der Muskulatur und habe somit einen Einfluss auf die Statik der Wirbelsäule.

Flexx Training

Abgeschwächte Bauchmuskeln

Die Bauchmuskeln haben vor allem eine stabilisierende Funktion für die Lendenwirbelsäule (LWS). Wir nutzen sie optimalerweise unbewusst wenn wir zum Beispiel schwere Dinge hochheben. Generell brauchen wir die „LWS-Stabilisatoren“ bei allen Bewegungen des Oberkörpers. Heutzutage gelten körperliche Belastungen jedoch, als Rücken schädigend.

Deshalb entlasten wir uns bewusst und damit unbewusst die wichtigsten Stabilisatoren des Rückens. Nun ist klar was mit einem Muskel geschieht der nicht belastet wird – er schwächt ab. Dadurch verschlechtert er seine Funktion. Zudem wird zum Sitzen kaum Aktivität der Bauchmuskulatur benötigt.

Meist lässt sich eine deutliche Schmerzreduktion allein darüber erreichen, wenn man gezielt die Bauchmuskeln kräftigt und dadurch die Belastungen auf die Wirbelsäule reduziert.

Feedforward control

Eine weitere Ursache für unspezifische Rückenschmerzen kann das sogenannte Feedforward control sein. Feedforward ist die neuronale Kontrolle bevor die eigentliche Bewegung stattfindet. Es bewirkt, dass unser Körper schon vor der eigentlichen Bewegung Maßnahmen ergreift, die die Bewegung sicher und fließend ermöglichen. Wenn Sie laufen so muss die Muskulatur um die Wirbelsäule aktivieren bevor die eigentlich Bewegung auftritt. Ist dies nicht der Fall, so „reagiert“ die eingesetzte Muskulatur jeweils zu spät. Die neuronale Kontrolle (Feedforward control) kann bei Menschen mit unspezifischen Rückenschmerzen gestört sein. Der Hauptgrund für diese Störung ist zu wenig Bewegung. Dieser neuronale Mechanismus kann bei zu wenig Bewegung verlernt werden.

Das Feedforwad control kann ganz einfach durch ausreichend Bewegung wieder trainiert und dadurch verbessert werden. Dies kann ein Krafttraining, ein Ausdauertraining, eine Gruppenlektion, eine Sportart oder sonstige Bewegung im Alltag sein.

Vergleich von 3 Therapieformen von Rückenschmerzen

Im August 2001 wurden durch A.F. Mannion, J. Dvorak, S. Taimela und M. Müntener 3 aktive Therapieverfahren für chronische lumbale Rückenschmerzen (“chronic low back pain”) untersucht. 148 Patienten und Patientinnen wurden einer der folgenden Therapiegruppen (2 Sitzungen pro Woche während 3 Monaten) zugewiesen:

  1. aktive Physiotherapie
  2. Rumpfmuskeln-Rekonditionierung an Trainingsgeräten
  3. allgemeines Aerobic-Programm.

Vor und nach der Therapieperiode sowie 6 und 12 Monate nach Therapieende wurde die Selbsteinschätzung von Schmerz und Behinderung mittels Fragebogen erfasst.
127 Patienten beantworteten die Fragebogen an allen 4 Zeitpunkten.

Die 3 Behandlungsmethoden waren im gesamten Nachuntersuchungszeitraum gleich wirksam bei der Reduktion von Schmerzintensität und -häufigkeit.

Die subjektiv beurteilte Behinderung hingegen veränderte sich nach Therapieende signifikant unterschiedlich in den Therapiegruppen (p=0,03).

In der Physiotherapie-Gruppe war die Behinderung 6 Monate nach Therapieende wieder wie vor der Therapie, während in den beiden anderen Gruppen der positive Effekt auch 1 Jahr nach der Therapie noch andauerte.

Große Unterschiede zeigten sich auch bei den Kosten; diese waren beim Aerobic-Programm mit Abstand am niedrigsten. Mit Krafttraining oder Aerobic als Therapiemethode der 1. Wahl könnten die Behandlungskosten für chronische unspezifische lumbale Rückenschmerzen massiv gesenkt werden.

Bewegung ist also das mit Abstand beste Mittel gegen Rückenschmerzen.

Quelle: Mannion, A. F.; Taimela, S.; Muntener, M.; Dvorak, J. (2001): Active therapy for chronic low back pain part 1. Effects on back muscle activation, fatigability, and strength. In: Spine 26 (8), S. 897–908.